Feldpost im Zweiten Weltkrieg
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16. September 1941
Meine Lieben!
Um wieder einmal etwas von mir hören zu lassen, muss ich die Feder ergreifen und einige Lebenszeichen von mir geben. Ich habe nämlich heute festgestellt, dass ich schon 8 Tage nicht mehr geschrieben habe. Die Zeit vergeht zu schell, das heißt, dadurch dass es hier schon um 7 Uhr dunkel ist, liegt man um 7.30 Uhr schon im Bett und kommt deshalb nicht zum schreiben.
Das Leben hier ist etwas abwechslungsreicher als in Hagenbach. Ausgang gibt es keinen. Jeden Tag gehen verschiedene Männer, 20 Mann zum Theater oder Varieté oder Kino in die Stadt. Auch waren wir schon schwimmen.
Die ganze Gruppe, 4 Abteilungen, liegt hier in einem Lager. In diesem Lager arbeiten nun Juden und Kriegsgefangene. Ich kann Euch sagen, ein Volk, noch schlimmer als Zigeuner.
Wir liegen in einer ehemaligen Panzerkaserne. Ich habe beim aufräumen der einzelnen Häuser mit unserem Trupp auch eine Menge Bücher und anderes Propagandamaterial gefunden und muss sagen, dass die Russen in dieser Hinsicht ziemlich großzügig waren. Deutsche Bücher habe ich auch schon gefunden. Mit Hilfe eines Wörterbuches französisch-russisch habe ich schon einige Wörter russisch gelernt. Zuerst muss man aber einmal das russische Alphabet und die russischen Schriftzeichen kennen.
Die Russen haben beim Anlegen dieser Kaserne an alles gedacht, Sportplätze etc. Nur eines haben sie vergessen und das sind die Waschanlagen. Die Stelle, an der sie sich gewaschen haben, suche ich heute noch. Wir waschen uns hier in alten Eimern und Schüsseln, die man zu Hause bestimmt auf den Schuttabladeplatz geworfen hätte. Am Sonntag hatte ich Großwäsche. Ich kochte meine Wäsche in einem alten Pott, wenn man es nennen kann und habe sie wirklich einigermaßen sauber bekommen. Da es nachmittags regnete, war ich gezwungen, meine Klamotten in die Stube zu hängen. Sie sind zwar heute noch nicht ganz trocken, werden aber bestimmt noch werden.
Der Dienstbetrieb ist im übrigen genau wie in der Abteilung. Appelle und dergleichen gibt es auch hier.
Für heute die besten Grüße
Euer Karl